Planung + Vermessung

Maße und Grundrisse

Wenn es um die Badsanierung in Bestandsbauten geht, lassen sich die räumlichen Gegebenheiten meist gar nicht oder nur schwerlich ändern. So faszinierend also möglichst große und lichtdurchflutete Bäder auch sind, den meisten Menschen steht für die Realisierung ihrer Wellness-Träume eher die Durchschnittsvariante von um die sechs bis zehn Quadratmetern zur Verfügung. Mehr als zehn Quadratmeter waren in den 1960er und 1970er Jahren die Ausnahme und rangierten unter dem Begriff Luxusbad.

Im Neubau werden die Flächen heute tendenziell größer. Und auch solche architektonischen Extras wie bodentiefe Badfenster gehören mittlerweile selbst im kleineren Individualbau schon fast zum Standard.


Luxus durch Innovation

Luxus kann aber durchaus auch auf kleinerer Fläche realisiert werden. Das erfordert ein möglichst innovatives, unkonventionelles Herangehen und setzt professionelles Wissen über die Möglichkeiten der heutigen Sanitärtechnik, der baulichen Verfahren und die aktuellen Angebote des Marktes voraus.

Ganz am Anfang der Sanierungsüberlegungen empfehlen sich deshalb die zwei folgenden Schritte:

  • Bewertung der bisherigen Situation im Bad hinsichtlich der Nutzungszufriedenheit: Alles da und alles am richtigen Fleck, nur erneuerungsbedürftig? Oder soll ein völlig neues Konzept her?
  • Vermessung der Räume und Anfertigung eines Grundrisses für die gedankliche Planung und die Diskussion mit den Fachleuten

Jetzt kommt es darauf an, sich genau zu erinnern. Hat man sich schon immer über die Platzierung oder die Montagehöhe von Waschbecken, Dusche oder Wanne geärgert? Ist es zu eng zwischen Bidet und WC, oder zu dunkel im Bad? Stört die Heizung und fehlt es an Ablagen? Ist die Wanne zu klein und der Duscheinstieg zu hoch? Je präziser der empfundene Mangel definiert wird, um so sicherer lassen sich diese misslichen Zustände im neuen Bad vermeiden. Erst dann wird es nicht nur schöner, sondern auch ergonomischer, funktioneller und zugleich eine Augenweide.

Die Vermessung kann fürs Erste durchaus mit dem guten alten Gliedermaßstab erfolgen, denn später werden die Fachleute genauestens Maß nehmen. Millimeterpapier aus dem Schreibwarenhandel oder ein kostenlos heruntergeladenes Computerplanungsprogramm helfen bei der Fixierung. Fenster, Türen mit Öffnungsradien, Einbauten, verwinkelte Ecken, Stufen und Erker verzeichnen. Und natürlich die Position der bisherigen Sanitärobjekte, Heizkörper, Boiler sowie der elektrischen und wassertechnischen Anschlüsse festhalten.


Experten haben alles im Blick

Wem dies zu viel eigener Aufwand ist, der kann natürlich schon in dieser ersten Phase der Planung einen Fachbetrieb hinzuziehen. Das hätte den großen Vorteil, das die Vermessung beim ersten Anlauf millimetergenau ist. Zudem könnte, aufbauend auf die langjährige Erfahrung der Experten die Bewertung der Ausgangssituation umfassender erfolgen und objektiviert werden. Das betrifft nicht nur die Funktionalität, sonder schließt dann den baulichen und technischen Zustand auch der nicht sichtbaren Installationen sowie Zu- und Ableitungen mit ein. Gerade im Bad warten hinter kaum zu sehenden Wandflecken oder in scheinbar intakten Rohren manchmal leider unliebsame Überraschungen.

So wäre auch abzuschätzen, welche Maßnahmen der Schall- und Wärmedämmung notwendig werden und ob die Luftentfeuchtung ausreicht, um kondensierende Niederschläge an Spiegeln oder Fliesenwänden zukünftig weitestgehend zu vermeiden.

Der Fachmann oder die Fachfrau haben gleichwohl den sofortigen Blick dafür, ob es bislang vielleicht noch gar nicht in Erwägung gezogene Möglichkeiten der räumlichen Erweiterung oder Umgestaltung des Bades durch das Entfernen oder Einziehen von Zwischenwänden gibt.

Insbesondere bei Minibädern oder kleinen Gäste-WC erkennt das geschulte Auge die Möglichkeiten, mit innovativen Ansätzen verblüffende Lösungen zu erzielen. Schon mancher Bauherr war überrascht, als ihm der Badprofi aus seinem nicht einmal ganz zwei mal zwei Meter großen bisherigen Toiletten-Geviert für Besucher ein komplettes kleines Bad mit Eckdusche gezaubert hat.

Wenngleich dem privaten Bauherren völlig überlassen bleibt, welche Räume und Platzmöglichkeiten er wie gebraucht, gibt es doch eine Reihe Erfahrungswerte hinsichtlich der uneingeschränkten Nutzbarkeit. So sollten die folgenden Angaben möglichst berücksichtigt werden:


Bewegungsabstands- und Höhenwerte


Waschtisch seitlich 20 cm / vorn 75 cm / Keramikoberkante 85 cm

WC seitlich 25 cm / vorn 75 cm / Höhe Keramikoberkante 42 cm

Bidet seitlich 25 cm / vorn 75 cm / Höhe Keramikoberkante 42 cm

Wanne seitlich 20 cm / vorn 90 cm

Urinal seitlich 20 cm / vorn 75 cm / Montagehöhe 65 cm

Dusche seitlich ohne / vorn 75 cm

Bei der Sanierung von Mietobjekten empfiehlt es sich, die einschlägigen VDI-Empfehlungen uneingeschränkt einzuhalten.


Zwecke

Wer wird künftig das Bad wann und wozu nutzen? Eine Person oder mehrere? Nacheinander oder gleichzeitig? Ist es eventuell für Gäste gedacht und nicht (nur) für Haushaltsmitglieder?

Mit der Beantwortung dieser Fragen ergeben sich die wesentlichen Faktoren für die neue Ausstattung und die architektonisch-baulich Umgestaltung der "Nasszelle", wie man früher manchmal abschätzig sagte, in das neue Traumbad.


Machen Sie sich Ihre eigene Liste:

  • Babys wickeln
  • Baden
  • Bei Kerzenschein Sekt trinken
  • Dekoratives wie Kunst oder Pflanzen präsentieren
  • Duschen
  • Fernsehen
  • Fotos als Hobbyfotograf entwickeln
  • Gebrauchsutensilien und -gegenstände ablegen
  • Haare schneiden
  • Hände waschen
  • Intimreinigung
  • Kosmetik
  • Lesen
  • Maniküre
  • Müll entsorgen
  • Musik hören
  • Pediküre
  • Ruhen
  • Saunieren
  • Sonnen
  • Sport treiben
  • Urinalnutzung
  • Vorräte des sanitären Bedarfs lagern
  • Wäsche trocknen
  • Wäsche waschen
  • WC-Nutzung
  • Whirlen

Langjährige Erfahrungen von Experten besagen, dass diejenigen auf Dauer mit ihrem neuen Bad glücklicher werden, die bei der Ermittlung des persönlichen Sanitärbedarfs eher etwas großzügiger vorgehen. Wird die Wohnung regelmäßig von mehreren Personen genutzt, wird die Anordnung eines separaten WCs, getrennt vom Badezimmer, als zweckmäßig erachtet. Bei mehr als drei Personen wirkt ein zweiter Waschtisch oder zumindest der Einbau eines Doppelwaschtisches "konfliktmindernd".


Zwänge

Die Sanierung eines Bades sollte sich auch an den Zwängen orientieren, denen sich der Bauherr oder die Bauherrin nicht entziehen können. Damit sind gar nicht vorrangig die baurechtlichen Auflagen gemeint, wenngleich auch diese das eine oder andere vorschreiben.

Hier geht es viel mehr erst einmal um Faktoren, die sich aus der voraussehbaren Nutzung beziehungsweise dem Nutzer, der Nutzerin selbst ergeben.

Die Stichwörter sind vor allem Barrierefreiheit und Altersgerechtigkeit. Doch nicht nur für Menschen mit Behinderungen oder anderweitig eingeschränkter Bewegungs- oder Handlungsfähigkeit sind diese Faktoren bereits in der Planung zu berücksichtigen. Auch kleine Kinder sind dankbar, wenn sie die Dusche ohne elterliche Hilfe betreten oder den Toilettensitz selbstständig erklimmen können. Und manches, was unter der Bezeichnung Barrierefreiheit läuft, ist einfach auch ein Stück Bequemlichkeit für jedermann.

Wer auf regelmäßige medizinische Anwendungen angewiesen ist, benötigt eventuell eine spezielle Badewanne oder eine Massageliege.


Visionen

Das ist das, wovon der Bauherr schwärmt und die Bauherrin träumt, wenn sie an ihr saniertes, runderneuertes Bad denken: Viel Platz und Licht, die Wanne frei im Raum stehend, ein futuristischer Doppelwaschtisch in die Wand integriert, eine fast unsichtbare Klarglasabtrennung für die Dusche, diodenilluminierte Armaturen aus bestem Edelstahl, den LCD-Bildschirm in der Spiegelwand versteckt, automatisch öffnende und schließende Schubladen, einen dampfenden Whirlpool und in Griffnähe gekühlte Getränke aus dem in die Wand eingelassenen Kühlschrank...

Natürlich geht das alles auch eine oder zwei Nummern einfacher. Zum Glück hat jeder seine Visionen und die Fachleute zaubern jedem sein Traumbad.


Stil

Die Vielfalt an Farben, Formen, Materialien und Marken im Sanitärbereich eröffnet der Gestaltung einen schier unbegrenzten Raum.

Um ein wenig System in die Angelegenheit zu bringen, empfiehlt es sich, seinen eigenen Badstil zu definieren. Der wird bei den meisten Menschen mit ihrem allgemeinen Lebensstil im Einklang stehen.

Der Erste liebt es praktisch, der Zweite fröhlich und bunt, der Dritte bevorzugt das edle, opulente Ambiente aus hochwertigen Materialien und in gediegenen Farben. Country-Look oder die Retroversion eines historischen Bades, alles ist machbar. In der jüngeren Generation wächst die Zahl derer, die das Puristisch-Moderne bevorzugen: Granit und Edelstahl, Glas und Holz, kombiniert mit an den Stil von Architekten wie Gropius angelehnte skulpturartige Formen.

Zur grundsätzlichen Unterscheidung kann man in Anlehnung an die VDI-Richtlinie 6000 von drei Varianten ausgehen:


Einfache Ausstattung

Mindeststandard, vor allem für den öffentlich geförderten Mietwohnungsbau

  • WC
  • Waschbecken oder Waschtisch
  • Wanne oder Dusche
  • WC-Papierrollenhalter
  • WC-Klosettbürste
  • Ablagen
  • Spiegel
  • Haltegriffe an Wanne oder Dusche
  • Duschabtrennung
  • Waschmaschinenanschluss


Gehobene Ausstattung

normaler, überwiegend akzeptierter und angewandter Standard, vor allem für den frei finanzierten Mietwohnungsbau oder für Eigentumswohnungen

Komfortable Ausstattung

Standard, der auf die individuellen Wünsche, vor allem bei Eigentumswohnungen und Eigenheimen, eingeht


Viele Hersteller von Sanitärkeramik bieten mittlerweile aufeinander abgestimmte Serien an, die die gesamte Palette vom Waschtisch, über WC und Bidet, der passenden Badewanne bis hin zu den Accessoires umfassen. Selbst die passenden Fliesen sind zu haben. Solche Serien gibt es für jeden Geschmack und natürlich auch für jeden Geldbeutel. Wer sich dafür entscheidet, vermeidet es auf jeden Fall, einen Stilbruch zu begehen. Denn so ganz ohne stilistischen Beistand ist es nicht immer einfach, die richtigen Formen, Farben und Materialien miteinander zu kombinieren.

Anhaltungspunkte bieten allerdings auch die zum Teil recht großflächigen Badstudios und Verkaufsausstellungen der Fachbetriebe. Auch die von Innenarchitekten und Badexperten gestalteten Showräume der Großhändler sind in der Regel ohne Beschränkungen für Endkunden zugänglich. Wenngleich ein direkter Verkauf hier üblicherweise nicht erfolgt, so ist es oftmals doch möglich, sich beraten und einen ausführenden Betrieb empfehlen zu lassen. Üblich ist im Übrigen auch der umgekehrte Weg, nämlich mit dem Handwerker seiner Wahl ein solches Studio zu besuchen, um gemeinsam die passenden Teile auszuwählen.


Faktor Zeit

Der Faktor Zeit in puncto Badsanierung geht weit über die Fragestellung "Wie lange dauern denn die Arbeiten?" hinaus.

Gute Technik - lange Freude

Wie lange soll sie denn vorhalten, die Freude am neuen Bad? Das ist eine Frage von einer ganz anderen Dimension, denn sie beinhaltet die Kategorie der Qualität. Billige Technik, oder Sanitärkeramik aus dem Schnäppchenmarkt sind schnell beschafft, aber genau so schnell vergeht möglicherweise auch die Freude an ihnen. Wenn statt hochwertiger keramischer Dichtungen nur simple Nullringe auf Gummibasis und vielleicht sogar veraltete und gesundheitsgefährdende Asbestscheiben für die Abdichtung des Wasserhahns sorgen, wird es schon bald tropfen und quietschen. Wenn dem neuen Toilettenbecken die Standfestigkeit fehlt, kann es schnell zu bösen Überraschungen kommen, und ein Waschtisch mit Antischmutzbeschichtung bleibt nun mal länger ansehnlich und hat einen geringeren Pflegeaufwand.


Voll im Trend und schnell daneben

Der Zeitgeist ist ein tückischer Geselle. Das T-Shirt, die Hose oder der Blazer überstehen selten mehr als eine Trageperiode. Selbst die hochwertigste Damenhandtasche verabschiedet sich nach einer Saison freiwillig aufs Altenteil. Modische Trends bestimmen unser tägliches Leben. Das kann in puncto Badsanierung aber ein teuerer Spaß werden. Wer sich heute an kurzzeitigen Modetrends orientiert, sollte sich im Klaren sein, dass er schon morgen oder übermorgen wieder in einem zumindest moralisch verschlissenen Bad sitzen könnte. Eine gewisse Zeitlosigkeit in der Gestaltung ist also zumindest all denjenigen zu empfehlen, die nicht regelmäßig mit dem sanitären Zeitgeist schwimmen wollen.


Heute, morgen, übermorgen

Auch die sich ändernde persönliche oder familiäre Situation will bedacht sein. Wo heute ein junges Pärchen ihre eben erworbene Altbauwohnung saniert und sich den Wunsch nach seinem Traumbad erfüllt, wohnen im nächsten oder übernächsten Jahr vielleicht schon zwei weitere Menschlein, erst einmal winzig klein, mit all ihren mit ihnen wachsenden Bedürfnissen und Wünschen. Oder das erste Ziepen und Zwicken in den Gelenken lässt vermuten, dass sich irgendwann eine Haltestange an der Toilette als recht komfortabel erweisen könnte, eine begehbare Badewanne, oder eine ebenerdige Duschwanne.


Budget

Unsere Träume und Ideen nehmen mehr und mehr Gestalt an und die nächste Frage, die sich stellt, ist die nach den zu erwartenden Kosten.

Bei den heutigen Angeboten von Industrie und Handel ist nach oben hin alles offen. Die wahre Kunst aber besteht darin, die Wünsche soweit es nur geht mit einem den persönlichen Möglichkeiten angemessenen, überschaubaren finanziellen Rahmen zu realisieren. Ein modernes, technisch auf dem neusten Stand stehendes, individuell gestaltetes Bad ist allerdings kein Produkt aus dem Schnäppchensortiment.

Deshalb gilt es auch, schon in der Phase der Planung Prioritäten zu setzen und sich auf Kompromisse einzulassen. Vielleicht bei der einen Komponente ein Stück zurückzustecken, dafür aber die andere etwas hochwertiger zu wählen. Wo liegen die eigenen Prämissen? Design, Funktionalität, innovativste Materialien, klangvolle Markennamen?

Objektivierbar wird eine Sanierungsplanung unter Berücksichtigung der folgenden Kriterien:

  • allgemeiner Komfortstandard und persönliche Erwartungen
  • Anforderungen an die Hygiene
  • Anforderungen an die Funktionalität
  • visuelle Vorstellungen
  • gesetzliche Vorgaben und persönliche Maßstäbe für die Wasser- und Energieeinsparung
  • wirtschaftliche Installations- und Wartungsmöglichkeiten


Ein guter Fachmann wird uns behilflich sein, so viel wie möglich unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht hat er ja auch eine Idee, wie man das Bad sozusagen im skalierbaren Baukastensystem sanieren kann: Schritt für Schritt erst einmal die leitungstechnischen und baulichen Grundstrukturen erneuern und dann Keramik, Einbauten oder Accessoires nach und nach auf den erwünschten Stand bringen.

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(c) by Päffgen GmbH bzw. deren Autoren 2009, www.Badsanierung.de

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